Was bedeuten Aquastop und Vollwasserschutz?


Sobald es sich um den Wasserschutz einer Waschmaschine dreht, werden die Hersteller sprachlich kreativ. Da ist dann von Überlaufschutz, Aquastop, Mehrfachwasserschutz oder gar Vollwasserschutz die Rede. Als Verbraucher blickt man dumm aus der Wäsche. Was ist damit gemeint? Verhindert die Maschine nun einen Wasserschaden oder nicht? Und was brauche ich wirklich?

Basisschutz oder Vollwasserschutz

Heutzutage verfügen alle Neugeräte über irgendeine Art von Wasserschutz. Die Waschmaschinen lassen sich dabei grob zwei Kategorien zuordnen. Es gibt solche, die Ihnen einen Basisschutz bieten, und solche, die tatsächlich mit einem Vollwasserschutz ausgestattet sind. Nur das letztere System kann zuverlässig Wasserschäden verhindern.

 

Waschmaschinen mit Basisschutz erkennen Sie daran, dass Sie nur mit einem Überlaufschutz und/oder einem einfachen Aquastop-Ventil ausgerüstet sind. Der Vollwasserschutz umfasst zusätzlich einen doppelwandigen Aquastop-Schlauch und eine wasserdichte Bodenwanne mit Feuchtigkeitssensor. Meldet der Sensor ein Leck, unterbricht die Steuerelektronik sofort die Wasserzufuhr und pumpt das gesamte Wasser ab, das sich im Kreislauf der Waschmaschine befindet.

Beispiel für eine Waschmaschine mit Vollwasserschutz: Bauknecht WA 744 BW

Ist ein Vollwasserschutz wirklich notwendig?

Das hängt von Ihnen ab. Waschmaschinen mit Vollwasserschutz sind meistens etwas teurer in der Anschaffung. Sie bieten Ihnen dafür den Vorteil, dass Sie Ihre Waschmaschine unbeaufsichtigt arbeiten lassen können. Schon klar: Sie besitzen möglicherweise eine Maschine ohne Vollwasserschutz und verlassen dennoch das Haus, wenn das Gerät läuft. Dann sollte Ihnen allerdings bewusst sein, dass die meisten Haftpflichtversicherungen in diesem Fall für einen eventuellen Wasserschaden nicht aufkommen.

 

Ein Wasserschaden in einer Mietwohnung kann locker mehrere Tausend Euro Kosten verursachen, insbesondere wenn die Brühe noch zum Nachbarn unter Ihnen durchsickert. Im schlimmsten Fall bleiben Sie also auf den Kosten sitzen. Die Vertragsklauseln weichen von Versicherer zu Versicherer voneinander ab. Sie sollten einen Blick in Ihre aktuelle Versicherungspolice werfen, um Klarheit zu bekommen.

 

Im Prinzip läuft es bei den meisten Haftpflichtversicherungen nämlich auf Folgendes hinaus: Sie sind nur abgesichert, wenn Sie a) Ihre Waschmaschine nicht unbeaufsichtigt lassen, b) Ihr Gerät mit Vollwasserschutz ausgestattet ist.

 

Zudem statten einige Waschmaschinenhersteller ihre Produkte mit einer Aquastop-Garantie aus. Auch hier lohnt sich ein Blick aufs Kleingedruckte. Worauf genau bezieht sich die Garantie? Nur auf die Erstattung von Ersatzteilen? Oder ist das Unternehmen so selbstbewusst und garantiert, für die Renovierungskosten aufzukommen, sollte der Vollwasserschutz wider Erwarten versagen?

 

Überlaufschutz

Praktisch alle Waschmaschinen sind mit einem Überlaufschutz ausgerüstet. Das Prinzip ist einfach. Wenn das Wasser in der Maschine eine bestimmte Höhe überschreitet, löst dies einen Kontakt aus. Die Maschine stoppt den Wasserzulauf und aktiviert die Pumpe, um das überschüssige Wasser aus dem Waschmaschinenkreislauf zu entfernen. Die Pumpe setzt ihre Arbeit auch dann fort, wenn das Magnetventil, das den Zulauf absperrt, versagen sollte.

 

Aquastop für Waschmaschine

Der Aquastop – zu deutsch: Wasserstopp – wird zwischen Wasserhahn und Zulaufschlauch befestigt. In der Schlauchkupplung sitzt ein Ventil, das bei Defekten im Wasserkreislauf den Zulauf unterbricht und somit eine Überschwemmung verhindert.

Xavax Schlauchplatzsicherung

Wenn in Ihrem Haushalt noch eine ältere Maschine im Betrieb ist, sollten Sie auf jeden Fall bei Ihrer Waschmaschine den Aquastop nachrüsten. Das Ventil bekommen Sie für ein paar Euro in jedem Baumarkt.

 

Bei Neugeräten ist solch ein Sicherheitsventil mittlerweile Standard. Je nach Hersteller unterscheidet sich der Aquastop aber in der Bauweise. Es sind mechanische und elektrische Systeme erhältlich. Außerdem verwenden die Ventile unterschiedliche Methoden, um ein Leck im Kreislauf aufzuspüren.

 

Wie funktioniert Aquastop?

Die Schlauchplatzsicherung riegelt die Wasserzufuhr ab, sobald das Ventil einen starken Druckabfall im Schlauch bemerkt. Dazu ist ein Schwellwert definiert, der nicht unterschritten werden darf. Dieser Schwellwert lässt sich mitunter verändern. Das Problem bei diesem System: Kleinere Lecks fallen nicht auf, weil der Druckabfall zu gering ist.

 

Wie funktioniert die Schlauchplatzsicherung?

Die Waschmaschine drosselt den Wasserzulauf, um kontrolliert Wasser nachzuführen. Dadurch baut sich im Ventil ein permanenter Wasserdruck auf. Im Innern sitzt eine mechanische Feder, die durch diesen Druck quasi im Gleichgewicht gehalten wird. Wenn der Schlauch platzt und der Druck abfällt, gerät die Feder aus der Balance. Sie bewegt einen Schieber, der den Durchlauf verschließt.

 

Zählwerksicherung

Im Aquastop-Ventil kann auch ein kleines Zählwerk eingebaut sein, das die durchlaufende Wassermenge misst. Übersteigt der Zulauf einen voreingestellten Maximalwert, unterbricht das Ventil die Wasserversorgung. Wenn die Waschmaschine von sich aus den Zufluss unterbricht, weil sie ihre Sollhöhe erreicht hat, springt das Zählwerk wieder auf null.

Wpro universelles Wasser Stop Ventil ACQ001: Beispiel für ein Sicherheitsventil, bei dem der Wasserzulauf nach Überschreitung einer voreingestellten Durchlaufmenge (5 bis 50 Liter) unterbrochen wird

Das System reagiert zwar sehr feinfühlig auf Abweichungen von der normalen Wassermenge. Doch wenn der Schlauch bereits defekt ist, läuft natürlich so lange Wasser aus, bis die im Zählwerk vordefinierte Menge erreicht ist.

 

Aquastop-Schlauch

Etliche Waschmaschinenhersteller betrachten einen Aquastop-Schlauch offensichtlich noch als Luxusgut, obwohl Sie dieses Zubehörteil im Handel für weniger als 20 Euro kaufen können. Denn gerade bei den günstigeren Waschmaschinen fehlt der Schlauch noch im Lieferumfang. Positiv: Sie können an jeder Waschmaschine den Aquastop nachrüsten. Ausnahme sind Geräte mit einem elektrisch geregelten Aquastop. Dort sind die Schläuche fest mit der Maschine verbunden. Aber in diesem Fall benötigen Sie auch keinen separaten Aquastop, da er bereits vorhanden ist.

 

Der Aquastop-Schlauch schützt auch vor kleinen Haarrissen im Zulaufschlauch, weil er doppelwandig ist. Die innere Schlauchhülle führt das Wasser. Wenn sich dort ein Riss bildet, tritt der äußere Schutzmantel in Aktion. Er ist mit einer Substanz gefüllt, die sich bei Kontakt mit Wasser stark ausdehnt. Hier reicht schon ein Tröpfchen Wasser, um den Alarm auszulösen und das Sicherheitsventil zu verriegeln. Solch ein Aquastop-Schlauch ist zwingend notwendig für einen Vollwasserschutz.

 

Zu folgenden Waschmaschinenmodellen mit Aquastop-Schlauch finden Sie nähere Informationen auf meiner Seite:

 

Watercontrol- und Waterproof-System

Watercontrol ist ein elektronisches Schutzsystem, das mithilfe von Wasserstandssensoren ständig den Wassereinlauf in der Waschmaschine kontrolliert. Sobald die Sollhöhe erreicht ist, stoppt die Steuerung den Zulauf. Waterproof ist eine Weiterentwicklung. Der wesentliche Unterschied: Im Aquastop-Ventil sitzen zwei Magnetverschlüsse. Ist der erste Aquastop der Waschmaschine defekt, übernimmt das zweite Sicherheitsventil den Job.

 

Die mit Watercontrol ausgestatteten Geräte besitzen zusätzlich Feuchtigkeitssensoren, die in der Bodenwanne angebracht sind. Defekte können schließlich nicht nur am Zulaufschlauch auftreten, sondern auch in der Waschmaschine selbst. Wenn durch ein Leck Wasser in die Bodenwanne eindringt, melden die Sensoren den Schaden. Die Elektronik der Waschmaschine löst das Aquastop-Ventil aus. Es kann also kein weiteres Wasser in den Kreislauf der Maschine einfließen. Zusammen mit einem Aquastop-Schlauch bietet Watercontrol einen echten Vollwasserschutz.

 

Beide Systeme – Watercontrol und Waterproof – sind exklusive Ausstattungsmerkmale von Miele-Waschmaschinen. Sie stehen im Ruf, den aktuell besten Vollwasserschutz zu bieten. Zum Beispiel bestehen die Laugenbehälter der Miele-Geräte aus Edelstahl statt aus Kunststoff. Doch die anderen Hersteller, die ihre Maschinen mit Vollwasserschutz austatten, benutzen ein von der Funktionsweise ähnliches Bauprinzip.

 

Mehr Informationen zur Miele WDA 110 WCS, die mit Watercontrol-System ausgestattet ist.

Miele WDA 110 WCS

Miele WDA 110 WCS

Schwimmerschalter

Die Feuchtigkeitssensoren gibt es in drei wesentlichen Ausführungen. Sie lassen sich im Übrigen auch zusammen mit einem Aquastop nachrüsten. Ein einfaches System benutzt einen Schwimmer aus Styropor oder einem anderen Plastik, der sofort nach oben treibt, wenn Wasser in die Bodenwanne dringt. Durch den Auftrieb löst der Schwimmer einen Schutzschalter aus.

 

Schwamm

Andere Watercontrol-Systeme machen sich die Eigenschaften von Schwämmen zunutze. Im Bodenraum ist ein gepresstes Stück Schwamm angebracht, das sich bei Kontakt mit Feuchtigkeit ausdehnt und dabei wiederum einen Schalter auslöst.

 

Andere Schwämme aktivieren eine Saugpumpe, die mittels einer Feder bereits vorgespannt ist. Die Pumpe erzeugt einen Unterdruck im Zulaufschlauch. Dadurch reagiert der Kontakt im Sicherheitsventil und sperrt den Wasserzulauf ab.

 

Feuchtigkeitsfühler

Modernere Sensoren sind mit einem Chip gekoppelt, der die Feuchtigkeitswerte des Fühlers permanent auswertet und gegebenenfalls das Aquastop-Ventil auslöst.

 

Nähere Details zu folgenden Waschmaschinen mit Vollwasserschutz (die natürlich ebenso über einen Aquastop-Schlauch verfügen) auf meiner Webseite:

 

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