Waschmaschinen mit Schleudertrauma


Unter Waschmaschinenherstellern tobt gerade ein schwindelerregender Kampf. Sie überbieten sich gegenseitig mit immer besseren Schleuderdrehzahlen ihrer Neugeräte. Aber was haben wir Verbraucher eigentlich von diesem Drehzahlirrsinn?

 

Fortschritt der Technik

Okay. Sätze, die mit »früher« anfangen, sind schon per se Scheiße. Aber geht in diesem Fall nicht anders. »Früher« haben die Waschmaschinen mit gemütlichen 1.000 Umdrehungen pro Minute geschleudert. Wenn es sich um ein Strebergerät handelte, kamen auch schon mal 1.200 U/Min. zustande. Diese Waschmaschinen gibt es heute auch noch auf dem Markt, aber sie werden von der Konkurrenz eher mitleidig belächelt. 1.400 und 1.600 Umdrehungen sind inzwischen das Maß aller Dinge. Wie ist dieser Unterschied von früher und heute zu erklären?

 

Zum einen hat sich natürlich die Technik verbessert. Eine Waschmaschine mit höherer Schleuderdrehzahl benötigt einen stärkeren Motor, eine bessere Aufhängung, Dämpfung und vor allen Dingen robustere Lager. Denn irgendwo muss die zusätzliche Power ja aufgefangen werden. Die heutigen Geräte können diese Anforderungen bewältigen.

 

Sie bekommen zudem ein weiteres Problem ganz gut in den Griff, das zwangsläufig beim Schleudern entsteht: die Lautstärke. Selbst die mit hoher Drehzahl schleudernden Waschmaschinen werden im Durchschnitt kaum lauter als 75-80 db(A). Das ist selbst noch in Mietwohnungen akzeptabel – zumindest tagsüber. Mittlerweile sind auch Modelle verfügbar, die noch wesentlich leiser schleudern.

 

Höhere Schleuderdrehzahl bedeutet Energieersparnis

Doch der wesentliche Unterschied zu »früher« ist auf einen anderen Umstand zurückzuführen. Wäschetrockner galten lange Zeit als Stromfresser und teure Luxusartikel. Kaum ein Haushalt wollte sich solch ein Gerät leisten. Stattdessen trocknete man die Wäsche auf einem Reck, einer Spinne oder auf der Wäscheleine. Für diese Trocknungsmethode waren 1.000 U/Min. völlig ausreichend.

 

Mit dem Siegeszug der Trockner wandelten sich die Dinge grundlegend. Denn je feuchter die Wäsche aus der Waschmaschine kommt, umso mehr Hitze muss der Trockner erzeugen. Und das Aufheizen frisst den meisten Strom. Also machen höher schleudernde Waschmaschinen aus Energie- und Kostenspargründen Sinn.

 

Woran erkennen Sie, wie gut eine Maschine schleudert?

Zwar gibt es wie beim Strom- und Wasserverbrauch auch fürs Schleudern eine Zuordnung zu Effizienzklassen von A bis G. Doch diese Angabe findet kaum Beachtung. Die beiden wesentlichen Werte sind die maximale Drehzahl und die Restfeuchte.

 

Waschmaschinen mit 1.600 U/min liegen zwischen 40 und 50% Restfeuchte, Maschinen mit 1.400 knapp über 50%. Die Modelle mit 1.000 und 1.200 Umdrehungen krebsen meist um die 60% herum.

 

Wobei ich anfügen muss, dass ich im Handel Waschmaschinen gesehen habe, die mit 1.200 U/Min. angeblich nur 53 % Restfeuchte produzieren. Ob der Hersteller hier nur Blödsinn verzapft und die Händler den Quatsch unbesehen nachplappern, habe ich noch nicht herausbekommen.

 

Was ist Restfeuchte?

Eine simple Geschichte. Man wiegt beispielsweise ein normales Handtuch im trocknen Zustand. Dann wiegt man das Handtuch nochmals, wenn man es aus der Waschmaschine herausholt. Die Zahl in Prozent drückt aus, wie viel schwerer das Handtuch nach dem Waschgang und Schleudern ist als im trocknen Zustand. Sprich: Wie viel Wasser ist in den Textilfasern verblieben? Entsprechend verlängert sich die Trockenzeit bzw. der Energieaufwand für den Trockner. Schon hat man einen Vergleichswert, der etwas über die Schleudereffizienz der einzelnen Waschmaschinen aussagt.

 

Hohes Schleudern verknittert die Wäsche

Nun ist aber schneller nicht zwangsläufig immer besser. Denn das hohe Schleudern hat einen gravierenden Nachteil: Die Wäsche verknittert stärker. Bei bestimmten Textilien ist dies nicht akzeptabel. Wenn Sie völlig zerknitterte Hemden aus der Trommel ziehen, müssen Sie umso länger bügeln.

 

Deshalb sind die höher schleudernden Maschinen mit der Möglichkeit versehen, dass Sie die konkrete Schleuderdrehzahl auf verschiedenen Stufen einstellen können. Viele Waschmaschinen bieten zudem fertige Waschprogramme wie einen automatischen Knitterschutz. Dann schleudert das Gerät lediglich mit 800 Umdrehungen pro Minute. Für noch empfindlichere Textilien wie Pullover oder Synthetik sind noch niedrigere Zahlen anwählbar.

 

Für wen lohnt sich der Kauf denn überhaupt?

Wenn Sie keinen Trockner benutzen, macht eine Waschmaschine mit hoher Schleuderdrehzahl kaum Sinn. Meiner Einschätzung nach ist aber die Anschaffung auch für Singlehaushalte eher fragwürdig.

 

Pullover, Hemden, Hosen und Funktionskleidung landen bei mir zum Beispiel eh nicht im Trockner. Hemden bekommen dann beispielsweise viel früher einen zerschossenen Kragen, Hosen fransen sehr viel schneller am Saum aus. Da bleibt dann nicht mehr so wahnsinnig viel Wäsche in einem Einpersonenhaushalt übrig, die in den Trockner wandert. Die Energieersparnis ist selbst auf lange Sicht gesehen nur gering.

 

In einem Mehrpersonenhaushalt sieht die Sache anders aus. Wenn bei Ihnen mehrfach in der Woche der Trockner läuft, sollten Sie durchaus auf eine hohe Schleuderdrehzahl der Waschmaschine achten. Das macht sich dann viel eher positiv in Ihrem Portemonnaie bemerkbar.

 

Sie finden weitere Informationen über folgende Geräte auf meiner Seite:

1.600 U/Min.:

1.400 U/Min.:

1.300 U/Min.:

1.200 U/Min.:

1.100 U/min.:

1.000 U/Min.:

 

 

Ein Überblick über die aktuell im Handel erhältlichen Waschmaschinen mit einer Maximalschleuderzahl von 1.600 Umdrehungen pro Minute.

 

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