Wie kann man den Energieverbrauch der Waschmaschine senken?

Bares Geld sparen trotz steigender Strompreise?

Energiesparen mit der Waschmaschine? Dafür gibt es doch diese bunten Schildchen, die auf jedem Neugerät kleben. Es ist zweifellos ein guter Anfang, beim Kauf auf ein sparsames Modell zu achten. Doch selbst bei modernen Geräten lässt sich im Alltag noch eine Menge bares Geld herausholen, wenn man die physikalischen Kniffe kennt. Besitzen Sie ein älteres Baujahr, bringen diese Tipps sogar eine spürbare Entlastung für die Haushaltskasse.


📊 Das neue EU-Energielabel: Schluss mit dem „A+++“-Wirrwarr

Wer heute nach einer neuen Waschmaschine sucht, reibt sich verwundert die Augen: Die altbekannten Klassen wie A+++ oder A++ sind komplett vom Markt verschwunden. Im März 2021 hat die EU die Notbremse gezogen und das Label radikal reformiert. Die Skala reicht heute wieder ganz simpel und übersichtlich von A (beste/sparsamste Klasse) bis G (schlechteste Klasse).

Die Kriterien wurden dabei drastisch verschärft. Eine alte, vermeintliche Top-Maschine mit dem Label „A+++“ landet nach den heutigen strengen Messverfahren häufig nur noch in der Klasse C oder D. Die neue Energieklasse A sollte tatsächlich den besten Stromsparern vorbehalten sein. So der Plan: Zwei Jahre später war dieser aber bereits Makulatur. Viele Hersteller schafften es, einen großen Teil ihres Sortiments über die magische Klasse-A-Schwelle zu hieven. Jetzt duellieren sie sich darum, wer den Schwellenwert um wie viel Prozent untertreffen kann.

🔄 Achtung beim Vergleichen: Früher kalkulierten die Hersteller auf dem Label den jährlichen Verbrauch basierend auf geschätzten 220 Waschgängen. Das ist vorbei. Heute zeigt das EU-Label den Stromverbrauch standardisiert als Mittelwert pro Waschgang basierend auf 100 Waschzyklen im Eco-Programm 40-60 an. Auch der Wasserverbrauch wird pro einzelnem Waschgang ausgewiesen.

Lohnt sich der Aufpreis für ein Klasse-A-Gerät? Wenn Sie eine funktionierende Maschine der jüngeren Generation besitzen, rechnet sich der Neukauf wegen ein paar Euro Ersparnis im Jahr in den Augen der meisten Verbraucher vermutlich nicht. Haben Sie jedoch einen 15 oder 20 Jahre alten „Schluckspecht“ im Keller stehen, sieht die Welt ganz anders aus: Ein modernes Gerät zieht oft nur noch halb so viel Wasser und Strom. Hier haben Sie die Anschaffungskosten durch die gesunkenen Betriebskosten im Handumdrehen wieder eingespielt.


⚖️ Die Füllmenge: Warum zu groß teuer wird

Der Markt wird derzeit von riesigen Trommeln mit 8, 9 oder gar 10 kg Füllmenge dominiert. Für Familien ist das ideal, doch in der stetig wachsenden Zahl von Single- und Paarhaushalten führen diese Riesenmaschinen zu verdeckter Verschwendung.

Eine große Waschmaschine verbraucht in absoluten Zahlen – selbst wenn sie hocheffizient ist – meist mehr Energie als ein kleineres 5-kg-Modell. Wer sich eine überdimensionierte Maschine anschafft und diese regelmäßig nur halbvoll laufen lässt, wirft bares Geld aus dem Fenster. Eine halbvolle Trommel benötigt nämlich annähernd die gleiche Menge Strom wie eine vollgepackte Maschine, daran können auch moderne Beladungssensoren nur bedingt etwas ändern. Sobald Sie Wasser auf 40 oder 60 Grad erhitzen, frisst das vergleichsweise eine Menge Strom. Und wenn Sie das tun, während die Trommel nur halb beladen ihre Runden dreht, dann verballern Sie halt Geld.

Die groben Richtwerte für den Kauf lauten nach wie vor:

  • 👤 1–2 Personen: 5 bis 6 kg Fassungsvermögen
  • 👨‍👩‍👦 2–4 Personen: 7 bis 8 kg Fassungsvermögen
  • 👨‍👩‍👧‍👦 Großfamilien: 9 kg Fassungsvermögen oder mehr

👉 Lesetipp für den Alltag: Wie du die Trommel optimal ausnutzt, ohne die Mechanik zu beschädigen, erfährst du in unserem ausführlichen Ratgeber Wie Sie Ihre Waschmaschine richtig beladen.


🌡️ Die Waschtemperatur: Der mächtigste Hebel beim Sparen

Der mit Abstand größte Anteil des Stroms wird nicht für das Drehen der Trommel benötigt, sondern für das Aufheizen des Wassers. Hier liegt Ihr maximales Sparpotenzial:

🌱 20°C bis 40°C reichen völlig:

Moderne Waschmittel sind chemisch so hochentwickelt, dass sie normale Alltagskleidung bereits bei niedrigen Temperaturen problemlos sauber bekommen. Das Absenken von 60°C auf 40°C halbiert den Stromverbrauch fast!

🐢 Nutzen Sie das Eco-Programm:

Ja, das Eco-Programm dauert oft drei bis vier Stunden. Aber: Weil die Maschine die Wäsche darin extrem lange einweicht, muss das Wasser weit weniger stark erhitzt werden, um den Schmutz zu lösen. Das spart bis zu 70 % Energie im Vergleich zu Kurzprogrammen.

⚠️ Der Kurzprogramm-Irrtum: Viele Menschen glauben, ein 30-Minuten-Schnellprogramm sei besonders sparsam. Das Gegenteil ist der Fall! Um in der kurzen Zeit die Waschleistung zu erbringen, muss die Maschine das Wasser im Eiltempo aufheizen. Das ist, als ob man mit Vollgas über die Autobahn jagt. Sie verbrauchen dann nicht weniger Sprit, nur weil Sie schneller von A nach B gelangen.

🦠 Wichtiger Hygiene-Hinweis: Wer dauerhaft nur unter 40°C wäscht, spart zwar Geld, riskiert auf der anderen Seite aber einen ekligen Bakterien- und Fettfilm in der Trommel. Um dem vorzubeugen, lesen Sie bitte meinen Guide Tipps zur Reinigung der Waschmaschine.


🌀 Richtig Schleudern: Vorarbeit für den Trockner

Nutzen Sie nach dem Waschen einen elektrischen Wäschetrockner? Dann stellen Sie die Schleuderdrehzahl Ihrer Waschmaschine für nicht empfindliche Baumwollstoffen auf das Maximum (1.400 oder 1.600 Umdrehungen pro Minute). Das Schleudern in der Waschmaschine entzieht der Kleidung die Feuchtigkeit mit einem Bruchteil des Stroms, den ein Trockner für dieselbe Menge Wasser über Hitze aufwenden müsste.

Hängen Sie Ihre Wäsche hingegen ganz klassisch und kostenlos auf die Leine oder den Wäscheständer, reicht eine schonende Schleuderstufe von 1.000 bis 1.200 Umdrehungen völlig aus. Das schont die Fasern und mindert das Verknittern.


💡 Profi-Methoden: Regenwasser und Warmwasseranschluss

Wer das Energiesparen auf die Spitze treiben möchte, kann die Infrastruktur des Hauses anzapfen:

  • Waschen mit Regenwasser: Wenn Sie im Garten weiches Regenwasser sammeln, können Sie dieses über ein Hauswasserwerk in die Waschmaschine speisen. Da Regenwasser kalkfrei ist, sparen Sie nicht nur kostbares Trinkwasser, sondern auch bis zu 60 % Waschmittel. Wichtig: Nutzen Sie kein reines Saug-System (Hauswasserautomat), da dieses durch das ständige Start-Stopp-Verhalten der Waschmaschine Schaden nehmen kann. Ein Hauswasserwerk mit Drucktank ist hier Pflicht. Für die Waschmaschine benötigen Sie allerdings gemäß gesetzlichen Vorgaben ein komplett eigenes, separates Rohrleitungsnetz, das farblich oder per Schild als „Kein Trinkwasser“ gekennzeichnet sein muss. Denn es ist in Deutschland (nach DIN EN 1717 / DIN 1989) strengstens verboten, eine Brauchwasserleitung (Regenwasser) direkt mit dem normalen Trinkwassernetz zu verbinden.
  • Der Warmwasseranschluss: Spezielle Waschmaschinen verfügen über einen separaten Warmwasser-Zulauf. Sie nutzen Wasser, das bereits über die hocheffiziente Hausheizung (z. B. Solarthermie oder Gas-Brennwert) erwärmt wurde. Das entlastet die bordeigene Heizung der Waschmaschine merklich. Dies lohnt sich jedoch nur, wenn die Wege vom Boiler zur Maschine kurz sind, da das Wasser sonst in den Rohren abkühlt.

🔌 Der heimliche Schlucker: Stand-by-Kosten

Unterschätzen Sie niemals den Ruhezustand. Viele Waschmaschinen ziehen selbst nach dem Waschprogramm im ausgeschalteten Zustand permanent eine minimale Menge Strom für die Elektronik. Trennen Sie die Maschine nach dem Waschen vom Netz oder nutzen Sie eine komfortable, abschaltbare Steckdose, um diesen unnötigen Dauerverbrauch im Jahr konsequent zu stoppen.


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