Energieeffizienzklasse bei Waschmaschinen: Was sich geändert hat und was Sie daraus wirklich mitnehmen können
1994 wurde die Energieeffizienzklasse für Waschmaschinen eingeführt. Die Hersteller werden das damals vermutlich als Gängelung des Gesetzgebers empfunden haben. Doch sie machten aus der Not eine Tugend: Die grünen Balken und Buchstabenklassen erwiesen sich als hervorragendes Marketinginstrument. Nur leider mit einem eingebauten Konstruktionsfehler, der sich inzwischen zum zweiten Mal wiederholt hat.
📜 Ein kurzer Rückblick: Vom Referenzgerät zu A+++
Ursprünglich war die Skala von G bis A angelegt, orientiert an einer fiktiven Referenzwaschmaschine aus dem Jahr 1994. Der technische Fortschritt sorgte jedoch dafür, dass sich immer mehr Geräte in der Bestklasse A drängten. Eine Unterscheidung zwischen den Modellen wurde kaum noch möglich. Die EU-Kommission reagierte mit einer Verlängerung nach oben: Es entstanden die Zusatzklassen A+, A++ und schließlich A+++ (entsprach einem Energieeffizienzindex von unter 46). Seit 2013 durften Hersteller ohnehin nur noch Neugeräte ab Klasse A+ verkaufen.
Das Ergebnis: Auf dem Etikett standen irgendwann fast nur noch Varianten von „A“, was die eigentliche Vergleichsfunktion des Labels komplett aushebelte.
🔄 Die Reform 2021: Zurück auf Los
Seit dem 1. März 2021 gilt deshalb eine komplett neue Skala von A bis G, geregelt in der Verordnung (EU) 2019/2014. Die Plus-Klassen sind ersatzlos gestrichen. Wichtig zu wissen: Die neuen Klassen sind nicht einfach eine Umbenennung der alten. Ein Gerät, das früher A+++ trug, kann nach neuer Berechnung auch nur noch Klasse B oder C erreichen. Die Kriterien wurden gleichzeitig deutlich verschärft.
Berechnungsgrundlage ist weiterhin der Energieeffizienzindex (EEI), der den gewichteten Energieverbrauch im Programm „eco 40-60″ bei Voll-, Halb- und Viertelbeladung mit einem gesetzlichen Referenzwert vergleicht. Je niedriger der EEI, desto sparsamer die Maschine.
📊 Die aktuellen Schwellenwerte im Überblick
| Energieeffizienzklasse | Energieeffizienzindex (EEI) |
|---|---|
| A | EEI ≤ 52 |
| B | 52 < EEI ≤ 60 |
| C | 60 < EEI ≤ 69 |
| D | 69 < EEI ≤ 80 |
| E | 80 < EEI ≤ 91 |
| F | 91 < EEI ≤ 102 |
| G | EEI > 102 |
Zusätzlich gelten gesetzliche Mindestanforderungen, die den Verkauf besonders ineffizienter Geräte verbieten: Seit März 2021 muss der EEI unter 105 liegen (verbannt Teile der Klasse G), seit März 2024 zusätzlich unter 91 (verbannt fast die gesamte Klasse F). Die Grenzwerte werden also schrittweise weiter verschärft.
🔁 Und die Geschichte wiederholt sich – schneller als geplant
Die EU-Kommission hatte die Klasse A bei der Einführung 2021 bewusst so hoch angesetzt, dass kein einziges am Markt erhältliches Gerät sie zu diesem Zeitpunkt erreichte. Die Erwartung: Erst nach etwa zehn Jahren sollte die Mehrheit der Modelle in Klasse A ankommen, ähnlich wie es ursprünglich bei der A+++-Skala gedacht war.
Es kam anders. Laut dem Fachverband für Hausgeräte (HEA) befand sich bereits 2023 eine Vielzahl der Modelle in der Bestklasse A, nach nur zwei statt der geplanten zehn Jahre. Manche Hersteller werben inzwischen sogar mit Zusätzen wie „A-30 %“ oder „A-40 %“, um Geräte zu kennzeichnen, die den A-Schwellenwert noch einmal deutlich unterbieten. Der Puffer, den die EU einbauen wollte, ist also erneut viel schneller aufgebraucht als geplant.
💡 Was bringt mir eine höhere Energieeffizienzklasse konkret?
Genau hier lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Zahlen, statt sich vom Buchstaben allein blenden zu lassen. Zwischen zwei benachbarten Klassen liegt laut Definition ein Abstand von 11 bis 14 Prozent beim Energieverbrauch. Nehmen wir als Beispiel eine Maschine, die mit ihrem Energieeffizienzindex knapp innerhalb der Klasse A liegt (EEI rund 52), im Vergleich zu einer Maschine, die knapp in Klasse B liegt (EEI rund 55): Der Unterschied beim Stromverbrauch beträgt in diesem Fall vielleicht 5 bis 10 Kilowattstunden pro 100 Waschgänge. Je nach aktuellem Strompreis macht das über ein Jahr gerechnet oft nur einen niedrigen zweistelligen Euro-Betrag aus.
Die eigentlich wichtigere Erkenntnis liegt woanders: Innerhalb der Klasse A selbst gibt es teils riesige Unterschiede. Ein Gerät, das die A-Schwelle nur knapp erreicht, kann seinen Stromverbrauch mit einem Spitzenmodell verglichen, das 30 oder 40 Prozent unter dem A-Schwellenwert liegt, kaum vergleichen. Zwei Waschmaschinen tragen also identisch den Buchstaben „A“ auf dem Etikett und können sich trotzdem im tatsächlichen Verbrauch drastisch unterscheiden.
Mein Rat: Verlassen Sie sich beim Vergleich nicht auf den Buchstaben allein, sondern schauen Sie sich den konkreten Wert für den gewichteten Energieverbrauch in kWh pro 100 Zyklen im Datenblatt an, also den Mittelwert der pro Waschgang erreicht wurde. Das ist die Zahl, die tatsächlich über Ihre Stromkosten entscheidet. Wie Sie ein komplettes Datenblatt lesen und einordnen, erkläre ich ausführlich in meinem Ratgeber zum EU-Datenblatt für Waschmaschinen.
Kleiner Unterschied zum alten Label: Früher wurde der jährliche Verbrauch auf Basis von 220 angenommenen Waschgängen hochgerechnet. Das neue Label verzichtet auf diese Hochrechnung und gibt den Verbrauch nur noch pro 100 Zyklen an. Sie müssen also selbst mit Ihrer tatsächlichen Waschhäufigkeit multiplizieren, um auf Ihre persönlichen Jahreskosten zu kommen.
📝 Fazit
Die Energieeffizienzklasse ist ein guter erster Anhaltspunkt, aber kein Ersatz für einen Blick auf die tatsächlichen kWh-Werte im Datenblatt. Und angesichts der Geschichte dieses Labels – erst A+++ durch Marktsättigung, jetzt schon wieder eine massenhafte Klasse-A-Häufung nach nur zwei Jahren – ist gut möglich, dass die EU auch dieses Label in einigen Jahren erneut nachschärfen muss.
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