Waschmaschinen mit Schleudertrauma: Was uns der Drehzahl-Wettlauf wirklich gebracht hat.
Zwanzig Jahre tobte unter Waschmaschinenherstellern ein schwindelerregender Kampf. Sie überboten sich gegenseitig mit immer besseren Schleuderdrehzahlen ihrer Neugeräte. Seit den 2010er-Jahren ist deutlich mehr Ruhe eingekehrt. Aber was hat uns Verbrauchern eigentlich dieser Drehzahlirrsinn konkret gebracht?
Inhaltsverzeichnis
⚙️ Fortschritt der Technik
Okay. Sätze, die mit »früher« anfangen, hören sich schon per se nach Altherren-Prosa an. Geht in diesem Fall leider nicht anders. »Früher« haben die Waschmaschinen mit gemütlichen 1.000 Umdrehungen pro Minute geschleudert. Wenn es sich um ein Strebergerät handelte, kamen auch schon mal 1.200 U/min. zustande. Diese Waschmaschinen gibt es heute auch noch vereinzelt auf dem Markt, aber sie werden von der Konkurrenz eher mitleidig belächelt. 1.400 und 1.600 Umdrehungen sind inzwischen das Maß aller Dinge. Wie ist dieser Unterschied von früher und heute zu erklären?
Zum einen hat sich natürlich die Technik verbessert. Eine Waschmaschine mit höherer Schleuderdrehzahl benötigt einen stärkeren Motor, eine bessere Aufhängung, Dämpfung und vor allen Dingen robustere Lager. Denn irgendwo muss die zusätzliche Power ja aufgefangen werden. Die heutigen Geräte können diese Anforderungen bewältigen.
Selbst die mit hoher Drehzahl schleudernden Waschmaschinen werden im Durchschnitt kaum lauter als 75 bis 80 dB(A). Das ist selbst noch in Mietwohnungen akzeptabel – zumindest tagsüber. Mittlerweile sind auch Modelle verfügbar, die noch wesentlich leiser schleudern und unter der Schallmauer von 70 Dezibel im Schleudergang bleiben.
⚡ Höhere Schleuderdrehzahl bedeutet Energieersparnis
Doch der wesentliche Unterschied zu »früher« ist auf einen anderen Umstand zurückzuführen. Wäschetrockner galten lange Zeit als Stromfresser und teure Luxusartikel. Kaum ein Haushalt wollte sich solch ein Gerät leisten. Stattdessen trocknete man die Wäsche auf einem Reck, einer Spinne oder auf der Wäscheleine. Für diese Trocknungsmethode waren 1.000 U/min. völlig ausreichend.
Mit dem Siegeszug der Trockner wandelten sich die Dinge grundlegend. Denn je feuchter die Wäsche aus der Waschmaschine kommt, umso mehr Hitze muss der Trockner erzeugen. Und das Aufheizen frisst den meisten Strom. Also machen höher schleudernde Waschmaschinen aus Energie- und Kostenspargründen Sinn.
🔍 Woran erkennen Sie, wie gut eine Maschine schleudert?
Zwar gibt es wie beim Strom- und Wasserverbrauch auch fürs Schleudern eine Zuordnung zu Effizienzklassen von A bis G. Doch diese Angabe findet kaum Beachtung. Die beiden wesentlichen Werte sind die maximale Drehzahl und die Restfeuchte.
| Schleuderdrehzahl | Typische Restfeuchte |
|---|---|
| 1.600 U/min | ca. 40–50 % |
| 1.400 U/min | knapp über 50 % |
| 1.000–1.200 U/min | ca. 60 % (Ausreißer nach oben möglich) |
Wobei ich anfügen muss, dass ich im Handel Waschmaschinen gesehen habe, die mit 1.200 U/min. auch bessere Resultate bei der Restfeuchte erreichen.
💧 Was ist Restfeuchte?
Eine simple Geschichte. Man wiegt beispielsweise ein normales Handtuch im trockenen Zustand. Dann wiegt man das Handtuch nochmals, wenn man es aus der Waschmaschine herausholt. Die Zahl in Prozent drückt aus, wie viel schwerer das Handtuch nach dem Waschgang und Schleudern ist als im trockenen Zustand. Sprich: Wie viel Wasser ist in den Textilfasern verblieben? Bei höheren Prozentwerten verlängert sich die Trockenzeit bzw. der Energieaufwand für den Trockner. Schon hat man einen Vergleichswert, der etwas über die Schleudereffizienz der einzelnen Waschmaschinen aussagt.
👕 Hohes Schleudern verknittert die Wäsche
Nun ist aber schneller nicht zwangsläufig immer besser. Denn das hohe Schleudern hat einen gravierenden Nachteil: Die Wäsche verknittert stärker. Bei bestimmten Textilien ist dies nicht akzeptabel. Wenn Sie völlig zerknitterte Hemden aus der Trommel ziehen, müssen Sie umso länger bügeln.
Deshalb sind die höher schleudernden Maschinen mit der Möglichkeit versehen, dass Sie die konkrete Schleuderdrehzahl auf verschiedenen Stufen einstellen können. Viele Waschmaschinen bieten zudem fertige Waschprogramme wie einen automatischen Knitterschutz. Dann schleudert das Gerät beispielsweise lediglich mit 800 Umdrehungen pro Minute. Für noch empfindlichere Textilien wie Pullover oder Synthetik sind noch niedrigere Zahlen anwählbar.
🤔 Für wen lohnt sich der Kauf denn überhaupt?
Wenn Sie keinen Trockner benutzen, ist eine Waschmaschine mit möglichst hoher Schleuderdrehzahl zumindest nicht dringend vonnöten. Meiner Einschätzung nach ist aber die Anschaffung auch für Singlehaushalte diskussionswürdig.
Pullover, Hemden, Hosen und Funktionskleidung landen bei mir zum Beispiel eh nicht im Trockner. Hemden bekommen dann beispielsweise viel früher einen zerschossenen Kragen, Hosen fransen sehr viel schneller am Saum aus. Da bleibt dann nicht mehr so wahnsinnig viel Wäsche in einem Einpersonenhaushalt übrig, die in den Trockner wandert. Die Energieersparnis ist selbst auf lange Sicht gesehen nur gering.
In einem Mehrpersonenhaushalt sieht die Sache anders aus. Wenn bei Ihnen mehrfach in der Woche der Trockner läuft, sollten Sie durchaus auf eine hohe Schleuderdrehzahl der Waschmaschine achten. Das macht sich dann viel eher positiv in Ihrem Portemonnaie bemerkbar.
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